Fasten, bis man die Sterne sieht

Im 4. Jahrhundert entstand die Tradition einer sechswöchigen Adventzeit und im Laufe der Zeit wurde es üblich, in dieser Zeit zu fasten. Später wurde festgelegt, dass der Advent vier Sonntage haben sollte und die Menschen begannen, vom 1. Advent an zu fasten. (Seit 1917 wird das Adventfasten von der katholischen Kirche nicht mehr ausdrücklich verlangt.).

Am 24. Dezember begann um 6.00 Uhr die Rorate, das bedeutete für viele einen stundenlangen Marsch durch den Schnee zur Kirche und wieder zurück – und das ohne Frühstück. Das Essen an diesem Tag war sehr einfach. Er war noch ein strenger Fasttag, es wurde gefastet, bis man die Sterne sieht. Manche aßen den ganzen Tag über nichts, in anderen Haushalten wurden Mehlsuppe oder Brennsuppe, manchmal Mohnnudeln oder Dampfnudeln gegessen. Vor der Mette gab es höchstens Dörrobst, lautere Nudeln, Milch, Woaza oder Nüsse.

Wenn es finster wurde, wurde „geracht“ – rund um den Hof, durch Haus und Stall geräuchert. Am Abend wurde Rosenkranz gebetet. Die Christmette fand um Mitternacht statt. Der Gang zur Kirche dauerte für die weitab gelegenen Bauern oft stundenlang – hin und zurück durch tiefen Schnee. Es hieß, dass die Glocken so lange läuten, bis der höchstgelegene Bauer in die Kirche tritt. Mit Kienfackeln wurde der oft weite und beschwerliche Weg zur Kirche erhellt. Einer musste zu Hause bleiben und Haus und Hof hüten, der Schelmwachta, das war entweder der Bauer oder der Moar. Während die anderen in der Kirche waren, las er in der Bibel und betete, und manchmal, so heißt es, schlief er dabei auch ein.

Nach der Heimkunft von der Christmette wurde endlich das Fasten beendet, fast immer wurden im Lavanttal Mettenwürscht (= Selchwürste), Sauerkraut, Kren und Brot gegessen und natürlich auch Piggalan. In Völkermarkt konnten es auch griane Würscht sein und statt Sauerkraut gab es oft saure Rüben.

Zu den Feiertagen kam alles auf den Tisch, was in Feld, Garten und Stall produziert wurde – unter dem Jahr war die Kost ja karg genug!

Mathilde Morer schrieb 1902 in der Zeitschrift Carinthia 1: „[…] Im Lavanttal biegt sich zu Weihnachten der Tisch unter der Last der Speisen; da gibt es in jedem Bauernhause mindestens fünf bis sechs Gänge. Da kommt zuerst die grüne (Rind-)Suppe, dann Krautfleisch (Geselchtes, Schweinefleisch), grünes Rindfleisch, Braten vom Kalb oder vom Schwein, meist beiderlei, endlich die Mehlspeisen, würfelförmig aufgeschnittene Reinlingbrocken gut abgeschmalzen, und der Hauptgenuss, kalte Eiermilch.“

Seit damals hat sich viel geändert, aber nach wie vor werden am Heiligen Abend häufig Selchwürstel mit Sauerkraut, Kren und Brot gegessen; oft werden auch belegte Brötchen, gebackener Karpfen mit Erdäpfelsalat oder (Lachs-)Forellen vom Marzi serviert.