Um 6.00 Uhr in der Früh gingen die Menschen in die Kirche zur Rorate. Der 24. Dezember war ein Fasttag – erst zu Mittag gab es eine Mehlsuppe und Wutzelnudeln mit Mohn, fallweise mit Apfelmus.
Zur Jause wurden Piggalan, das Siaße oder Woazenes mit viel Schlagobers gegessen. Manchmal gab es dazu ein Kompott aus Dörrobst. Dazu viel Schlagobers!
Am Nachmittag wurde in der Stube der Boden zur Gänze mit Stroh bedeckt und alle Leute, die am Hof lebten, legten sich auf dieses Stroh, beteten einen Rosenkranz und ruhten sich bis zum Kirchgang aus.
Wenn es finster wurde, gingen der Bauer oder der Moar (= Oberknecht) rund um den Hof, durch alle Räume und durch den Stall rach’n: Dazu wurden in der Räucherpfanne der alte Palmbuschen, Gewürzkräuter und Tannenzweige angezündet.
Während alle Hausleute bei der Mitternachtsmette waren, räumten die „Schelmwachten“, also diejenigen, die während der Kirche zu Hause blieben und den Hof bewachten, das Stroh wieder weg. Nach der Mette musste die Stube wieder blitzsauber sein!
Nach der Mette wurde die Mettenwurst mit Sauerkraut, Kren und Brot aufgetischt.
Der Weihnachtsbaum war über dem Tisch aufgehängt, geschmückt mit roten Äpfeln, einfachen Keksen, Lebkuchen, Nüssen, selbstgemachten Strohsternen, in Seidenpapier gewickelten Zuckerwürfeln und Bienenwachskerzen. Am Abend wurden drei Rosenkränze gebetet, dann die Kerzen angezündet. Als Weihnachtsgeschenk bekamen alle Haushaltsangehörigen und auch die Patenkinder einen Woazaschmölzer (= Reindling), je nach Alter der Beschenkten fiel er unterschiedlich groß aus. Als weitere Geschenke gab es Socken oder Handschuhe; für die Männer ein Hemd, für die Frauen einen Pullover oder eine Weste. Die Kinder wurden gleich wie die Erwachsenen beschenkt, manchmal war auch ein selbstgefertigtes Spielzeug dabei.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Familie Riegler aus der Sommerau für ihre Auskünfte!

 

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